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Das frühe Bonus-System der Lufthansa
Schon lange vor Einführung des Bonussystems "Miles & More" versuchte die Lufthansa, Vielflieger über ein spezielles Programm an sich zu binden. Diesem Kundenkreis wurde am Boden und in der Luft erhöhte Aufmerksamkeit zuteil - und ähnlich wie beim heutigen "Meilensammeln" hatten die Teilnehmer ein Ziel vor Augen, welches allerdings nicht aus Freiflügen bestand, sondern aus kleinen Flugzeugmodellen, die - je nach Meilenstand - als Bonusgeschenk überreicht wurden.
Meine Informationen über das alte Lufthansa-Bonusprogramm basieren weitgehend auf den Kontakt mit einem ehemaligen Teilnehmer. Für weitere Quellen, die diesen Kenntnisstand stützen, wäre ich sehr dankbar.
Das Logbuch - Voraussetzung für die Teilnahme
Das Bonusprogramm wurde etwa 1969 eingeführt - dieses Datum ist aber nicht verifiziert. Vielflieger erhielten ab diesem Zeitpunkt ein kleines Logbuch mit Leder-Einband, das in der Größe etwa einem Sparbuch entsprach. Diese Logbücher waren die Voraussetzung für eine Teilnahme am Bonussystem, denn in ihnen waren die persönlichen Daten der Fluggäste enthalten - sie waren quasi ein Status-Nachweis, so wie heute die Plastikkarten für Teilnehmer der Kategorien "Miles & More", "Frequent Traveller", "Senator" oder "HON Circle".
Interessant am Einband der Logbücher ist die Verwendung des damals neuen "Kastendesigns" von Otl Aicher, der von der Lufthansa mit der Gestaltung einer neuen Corporate Identity beauftragt worden war. Wie schon auf vielen Flugtickets, Flugplänen und Streckenkarten findet sich dieses Gestaltungsmerkmal auch auf den Logbüchern. Der aufgedruckte "Lufthansa"-Schriftzug geht ebenfalls auf den Ulmer Designer Aicher zurück. Dieses visuelle Erscheinungsbild wird praktisch unverändert seit den späten 1960er Jahren bei der Fluggesellschaft verwendet.

Links: Drei Lufthansa-Logbücher aus den späten 1960er Jahren.
Ausgabe nur an einen engen Kundenkreis
Anders als heute bei "Miles & More" war die Teilnahme am Bonussystem auf einen kleinen Kundenkreis beschränkt: Außer Geschäftsleuten, Diplomaten oder Jet-Set-Prominenz erreichte damals wohl niemand die erforderlichen Flugkilometer. Wie hoch die Zahl der Flugkilometer pro Jahr gewesen ist, um sich für das Bonusprogramm zu qualifizieren, ist nicht mehr bekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass Passagiere zunächst eine solche Hürde überwinden mussten, bevor die Logbücher ausgegeben wurden.

Das hier abgebildete Exemplar hat die Logbuch-Nummer 1420 - es dürfte sich damit also beim ehemaligen Inhaber um einen recht frühen Teilnehmer am Bonusprogramm gehandelt haben. Das sehr enge Zahlenfeld lässt die Vermutung zu, dass Lufthansa höchstens mit einer Anzahl von Teilnehmern im fünfstelligen Bereich rechnete. Auch der Gruß des Lufthansa-Vorstandes samt (gedruckten) Unterschriften ("with the compliments of the Board of Directors") ist ein Beweis dafür, wie elitär es bei diesem Bonusprogramm zugegangen sein muss.

Die Logbücher wurden in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht - je nachdem, woher der Reisende stammte. In diese Bücher sollten Passagiere ihre geflogenen Kilometer eintragen (siehe auch weiter unten). Schematische Weltkarten mit Kilometer-Angaben für bestimmte Strecken halfen dabei, die Spalten auszufüllen. Abgerechnet wurde immer in "Kilometer" und nicht in "Meilen", was sicherlich bei dem ein oder anderen nicht-metrisch aufgewachsenen Passagier zu größeren Umrechnungsaufgaben geführt haben dürfte.


Links: Persönliche Daten auf Seite 1 des Logbuchs. Der ehemalige Inhaber dieses Exemplars lebt inzwischen in den USA.
Meilen sammeln - Flugzeugmodelle erhalten
Aus heutiger Sicht erscheint es geradezu lächerlich, dass Vielflieger mit der Aussicht auf kleine Metallmodelle an die Fluggesellschaft gebunden werden sollten. Rückblickend ging es aber sicherlich eher darum, den Teilnehmern am Bonusprogramm zu verdeutlichen, dass sie zu einem erlauchten Kundenkreis gehörten. Das Modellsammeln war nachrangig und bediente wohl eher einem "sportlichen Faktor".
Schon damals gab es eine Art "Star Alliance" - denn aus dem Logbuch geht hervor, dass Flugkilometer nicht nur bei Lufthansa gesammelt werden konnten, sondern auch bei Airlines, die im Pool mit Lufthansa arbeiteten.
Modelle gab es, wenn Passagiere mindestens 100.000 Flugkilometer nachweisen konnten - und für lange Zeit handelte es sich dabei ausschließlich um Nachbildungen der Boeing 727, die unter dem Markennamen "Europa Jet" ab 1964 bei der Lufthansa eingesetzt wurde.
Laut Logbuch wurden drei Kategorien bedient:
  • 100.000 Flugkilometer: Ein kupferfarbenes Modell,
  • 250.000 Flugkilometer: Ein silbernes Modell,
  • 500.000 Flugkilometer: Ein goldenes Modell.
Passagiere wurden aufgefordert, das Logbuch bei Erreichen der Meilenstände an ihr Lufthansa-Stadtbüro zu schicken, wo Mitarbeiter wahrscheinlich alle Angaben überprüfen mussten, bevor dann die jweiligen Modelle an die Kunden geschickt wurden.

Rechts: Der "Europa Jet" hatte als einziges erwerbbares Modell eine herausgehobene Stellung im Bonusprogramm, obwohl die Lufthansa mit der Boeing 747 ab 1970 ein noch moderneres Flugzeug flog.
Oben: Zwei 727-Bonusmodelle - das rechte Modell kupferfarben für 100.000 Flugkilometer, die linke 727 in Silber für 250.000 Flugkilometer mit LH. Länge: 15,5 cm. Spannweite: 12,5 cm. Der Hersteller ist unbekannt, war aber laut Aufdruck in Deutschland beheimatet ("Made in Germany").
Flugkilometer dokumentieren
Interessant ist die Tatsache, dass es Aufgabe der Vielflieger selbst war, die geflogenen Strecken zu dokumentieren. Dazu mussten in den Logbüchern verschiedene Spalten ausgefüllt werden: Das Datum der Reise, der Flugzeugtyp (!), die Flugnummer, der Abflugort, der Zielort, die Entfernung in Kilometer und die Nummer des Flugscheins. Letzteres war vermutlich wichtig, damit überprüft werden konnte, dass niemand schummelt... Im hier abgebildeten Logbuch fehlen allerdings die Ticketnummern - der frühere Inhaber hat mir aber glaubhaft versichert, dass er auch ohne diese Angaben einen "Europa Jet" ergattern konnte.

Kilometer auch bei Pool-Airlines
Wie das abgebildete Logbuch beweist, konnten Kunden auch bei Pool-Airlines Kilometer sammeln - zum Beispiel bei Pan Am, JAT oder Swissair. Im damaligen geteilten Deutschland waren Flüge von und nach West-Berlin ohnehin nur mit Air France, British (European) Airways und Pan Am möglich, so dass diese Fluggesellschaften mit Sicherheit zu den Pool-Partnern der Lufthansa gehört haben.

Rechts: Ausgefüllte-Logbuch-Spalten, die den Winter 1973/1974 dokumentieren.
Schematische Karten zur Kilometer-Ermittlung
Damit niemand die Flugzeugbesatzung mit Fragen nach der Länge der Flugstrecke belästigen musste, waren in den Logbüchern schematische Karten abgedruckt, die bei der Ermittlung der Flugkilometer behilflich waren.
Auf der Abbildung rechts ist oben eine "Welt-Kilometerkarte" zu erkennen - mit Frankfurt als Mittelpunkt. Darunter sind innerdeutsche Strecken und wichtige europäische Ziele mit den jeweiligen Kilometer-Angaben abgedruckt. Weil es auf Langstrecken damals oft mehrere Zischenlandungen gab, sind zum Teil nur einzelne Abschnitte mit den erforderlichen Daten versehen. Der geneigte Fluggast musste also selbst Kilometer addieren - je nach Ziel und je nach Anzahl der Zwischenlandungen.
Das Design dieser Karten geht auf den Designer Otl Aicher zurück, der - wie bereits oben erwähnt - in den 1960er Jahren wesentliche Design-Elemente für die Lufthansa neu festlegte - unter anderem auch das Aussehen von Streckenkarten. Aicher ließ dabei oft wirkliche Entfernungen und Proportionen außer acht - ihm ging es lediglich um eine möglichst einfache Darstellung von Sachverhalten.

Links: Schematische Streckenkarten im Design von Otl Aicher.
Das Ende des frühen Bonusprogramms
Wie lange die Lufthansa dieses Bonusprogramm in dieser Form durchführte, ist mir nicht bekannt. Klar ist, dass es in den späten 1970er bzw. frühen 1980er Jahren auch Modelle des Langstreckenflugzeugs DC-10 als "Belohnung" für Vielflieger gab. Insofern ist anzunehmen, dass dieses Bonussystem mindestens 10 bis 15 Jahre durchgeführt worden ist. Ob es bis zur Einführung von "Miles & More" erhalten blieb, halte ich für fraglich.
Falls Sie Informationen darüber haben, wenden Sie sich bitte über die Kontaktseite an mich. Ich bin sehr dankbar für jeden Hinweis!

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